Beeinflussen cholesterinsenkende Statine die Mortalitätsraten? Nicht wirklich.

Beeinflussen cholesterinsenkende Statine die Mortalitätsraten? Nicht wirklich. Da Statine nur marginal zur Senkung der Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit beitragen, ist es praktisch unmöglich, die Bedeutung von Statinen im Hinblick auf kardiovaskuläre Mortalität nachzuweisen.
  • Auszug

Mindern cholesterinsenkende Statine wirklich die Gesamtmortalitätsrate durch koronare Herzkrankheit? Ist das Versprechen der Pharmaindustrie wahr? Kardiovaskuläre Gesundheit wird schon seit den 1990er Jahren von den Herstellern cholesterinsenkender Medikamente behauptet: „Nehmen Sie Statine, Statine, Statine!“ Das ist ihre Dauerbotschaft. „Nehmen Sie bereits Statine, wenn Sie noch gesund sind, und Sie werden ewig leben.“ Aber gibt es wirklich einen statistisch relevanten Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Statinen und einer Abnahme der Sterblichkeit durch koronare Herzkrankheit? Kurz gesagt: NEIN. Gibt es nicht.

2015 veröffentlichten Wissenschaftler eine Studie im British Medical Journal. Ihr Ziel war „festzustellen, ob es bei Populationen mit unterschiedlichen Graden eines koronaren Risikos einen Zusammenhang zwischen Statineinnahme und der Mortalität durch koronare Herzkrankheit (KHK) gibt und ob der Zusammenhang sich mit der Zeit ändert.“ ([i]) Sie nahmen Daten aus zwölf westeuropäischen Ländern ([ii]) auf und fanden „zwischen 2000 und 2012 ein breites Spektrum an KHK-Mortalitätsreduktion (von 25,9 Prozent in Italien bis 57,9 Prozent in Dänemark) bei gleichzeitiger Zunahme von Statineinsatz (von 121 Prozent in Belgien bis 1263 Prozent in Dänemark).“ Allerdings konnten sie keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Mortalitätsraten und dem, was sie als „die große Steigerung der Statineinnahme“ bezeichneten. In den erforschten Ländern war diese Steigerung „weder mit der KHK-Mortalität assoziiert noch mit ihrer Änderungsrate im Laufe der Jahre.“

In den in der Studie einbezogenen Ländern gab es keinen offensichtlichen Zusammenhang zwischen der Zunahme an Statinverschreibungen und der Senkung der KHK-Mortalität. Aber, so fragen Sie sich vielleicht, wenn es keinen Zusammenhang zwischen Statinen und kardiovaskulärer Mortalität gibt, warum erhöht man dann ständig den Statineinsatz? Die Autoren gehen davon aus, dass „andere Faktoren als das individuelle koronare Risiko, wie etwa die Populationsalterung, behördliche Gesundheitsprogramme, Richtlinien, Medienaufmerksamkeit und Marketing der Pharmaindustrie, den starken Anstieg des Statingebrauchs beeinflusst haben können.“ Insbesondere schreiben sie das blühende Statine-Geschäft der Tatsache zu, dass „Statine bei Menschen mit geringem Herz-Kreislauf-Risiko übereingesetzt werden. Dies mag zu einer Unterbehandlung von Hochrisiko-Patienten führen, während Menschen mit geringem Risiko unnötigerweise behandelt werden, was potentiell zu entgegengesetzten Wirkungen und höheren Ausgaben führt.“

Das medizinische Beamtentum verweist so unerbittlich wie blind darauf, dass das Senken des Cholesterinspiegels unbedingt einen Herz-Kreislauf-Nutzen hervorbringt. Infolgedessen glauben die meisten Menschen mittlerweile, dass die allgemeine Senkung der KHK-Mortalität als eine Wirkung von erhöhter Statine-Verschreibung betrachtet werden sollte. Es ist jedoch so, dass die positiven Ergebnisse, die in Statine-Studien präsentiert werden, selten hinsichtlich der Senkung des absoluten Risikos von Herzkrankheit ausgedrückt werden. In ihrer Studie aus dem Jahr 2015 berichten die Autoren, dass klinische Versuche „zeigen, dass Statine das absolute Risiko eines Herztods mit weniger als 1–3,5 Prozent senken, was einen kleinen Teil der beobachteten Reduktion darstellt.“ Auch erwähnen sie, dass „die Abnahme der KHK-Mortalitätsraten in westlichen Ländern begann, lange bevor die Statintherapie zugänglich wurde, nämlich aufgrund verbesserter Risikofaktoren infolge Populations-basierter Eingriffe.“ Da Statine nur unwesentlich zur Senkung von KHK-Mortalität beitragen, „ist es schwierig, irgendeine Populationsauswirkung des Statingebrauchs auf KHK-Sterblichkeit nachzuweisen. Dies wurde in einer schwedischen Studie mit umfangreichen Gemeinde-übergreifenden Stichproben bestätigt, wo kein Zusammenhang zwischen Statineinsatz und akutem Myokardinfarkt oder Mortalität gezeigt wurde.“

Tatsächlich hat die KHK-Sterblichkeit in den an der Studie teilhabenden Ländern um ungefähr 40 Prozent abgenommen, während der Statineinsatz zwischen 2000 und 2012  um mehr als das Dreifache zugenommen hat. Die Studie zeigt, dass die Verbesserung der Herz-Kreislauf-Gesundheit nicht den Statinen zugeschrieben werden kann, und ihre Autoren schließen zu Recht: „…, ob sie [Statine] angemessen denjenigenen verschrieben werden, die am meisten davon profitieren, d.h. Menschen mit einem hohen Risiko, und ob Statine effektiv und sicher bei ansonsten gesunden Menschen sind, wäre zu diskutieren.“ Sie betonen, dass „da KHK zum großen Teil von Gesundheitsfaktoren wie Ernährung und Bewegung abhängen, stützt das von uns beobachtete offensichtliche Fehlen eines Zusammenhangs zwischen KHK-Mortalität und Statineinnahme den Bedarf nach einer größeren Implementierung von populationsumfassenden Lifestyle-Veränderungen anstelle von zusätzlichen Initiativen zur weiteren Verstärkung der Statineinnahme, um die KHK-Belastung zu verringern.“

2011 schlugen Wissenschaftler der Maastricht Universität in Holland vor, dass man zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit die Supplementierung seiner Nahrung mit bioaktiven Verbindungen, die vielfältige wohltuende Wirkungen haben, in Betracht ziehen sollte. [iii] Verbindungen mit mehreren physiologischen Wirkungen nennt man „pleiotropisch“. Um ihre Idee zu testen, etablierten sie diese mehrfachen Wirkungen und entwarfen einen KardioVaskulären Index, in den sie Ergebnisse aufnahmen, die in einem 60-tägigen klinischen Test mit Masquelier’s OPCs erzielt wurden. Laut den Wissenschaftlern „offenbarten die Ergebnisse der vorliegenden Pilotstudie die Wirkkraft von [Masquelier’s OPCs] aus Vitis vinifera L. hinsichtlich der Verbesserung der Gefäßgesundheit, wenn sie acht Wochen lang  regelmäßig zusätzlich zu normaler Nahrung verwendet wurden.“ Die Summe der häufig beobachteten positiven Tendenzen auf verschiedene kardiovaskuläre Prozesse zeigte, dass im Vergleich mit dem inaktiven Placebo Masquelier’s OPCs einen ausgeprägten umfassenden Nutzen für die Gefäßgesundheit haben, wie dies durch einen signifikant höheren Gefäßgesundheitsindex angezeigt wurde.

Tatsächlich zeigt die umfassende Gesamtheit der Ernährungsforschung, dass praktisch alle bioaktiven Verbindungen (Vitamine, Mineralien, Enzyme, Aminosäuren, Pflanzenstoffe, Fettsäuren usw.) „pleiotropische“ Wirkungen haben. Diese Wirkungen mögen nicht so stark wie die Wirkung eines „ein-Ziel-ein-Treffer“-Arzneimittels sein, aber gemeinsam eingenommen sind sie ein bedeutender Beitrag zu unserer Gesundheit. Einfach ausgedrückt: Sie stellen unsere Gesundheit her. Für ein langes und gesundes Leben muss man nur sicherstellen, dass die tägliche Nahrung sie in ausreichenden Mengen enthält und liefert.

[i] Time trends in statin utilisation and coronary mortality in Western European countries; Federico Vancheri, Lars Backlund, Lars-Erik Strender, Brian Godman, Björn Wettermark; Published by the British Medical Journal Publishing Group Limited; 2015.
[ii] Finland, Scotland, Germany, Sweden, Norway, Denmark, the Netherlands, Italy, Belgium, Spain, Portugal and France.[iii] Pleiotropic Benefit of Monomeric and Oligomeric Flavanols on Vascular Health - A Randomized Controlled Clinical Pilot Study; Antje R. Weseler, Erik J. B. Ruijters, Marie-José Drittij-Reijnders, Koen D. Reesink, Guido R. M. M. Haenen, Aalt Bast; PLOS-One; December 2011.